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Die Geschichte von Seif

Seif: Es gibt kleine Lichtblicke

Seifs Geschichte handelt von Bomben, Giftgas und Tod. Der Krieg zerstörte sein Zuhause in Damaskus und beendete jäh seine Kindheit. Er machte den heute Achtjährigen zum Flüchtling und zum Waisen.

„Sie sind alle tot. Mama, Baba, vier meiner Geschwister.“

Seif, ein stiller Junge mit ernstem Gesicht, hält inne. Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen, die Stirn liegt in Falten. Die Angst von damals scheint sich abermals in das Gesicht des Achtjährigen zu schreiben.

„Mayada und ich sind die einzigen, die noch übrig sind“, sagt er leise.

Mayada, das ist Seifs große Schwester. Seit zwei Jahren ersetzt sie ihm auch Mutter und Vater. Ihr eigener kleiner Sohn ist zwei Jahre, die Tochter gerade einmal sechs Wochen alt.

Zeit, um ihre eigenen Schrecken zu bewältigen, bleibt der 20-Jährigen nicht. In dem kleinen Flüchtlingslager in Ketermaya – einer Ansammlung von gut 50 einfachen Behausungen inmitten des Libanon-Gebirges – ringen sie jeden Tag um das Nötigste.

„Ich versuche, Seif das zu geben, was er braucht. Aber es ist schwer für mich. Wir haben alles verloren. Hier haben wir nichts außer der kleinen Hütte, ein paar Kleidern, Matratzen und Decken.“

Sorgenvoll schaut sie auf ihren Bruder. Noch immer sieht sie den kleinen Jungen aus Damaskus. Fröhlich, neugierig und immer unterwegs mit Brüdern, Neffen oder Nachbarskindern. Immer wieder drängen sich aber auch die schlimmen Bilder des Jungen auf, den Fremde aus den Trümmern ihres Hauses geborgen und ins Krankenhaus getragen haben. Die Narbe in Seifs Kniekehle ist bis heute ein stummer Zeuge. Ein Dutzend grobe Stichen lassen nur erahnen, welchen Schmerz er erleiden musste.

„Seif ist so still geworden“, seufzt Mayada. „Er lebt nicht das Leben, das er leben sollte. Nicht das Leben eines Kindes. Er war der jüngste von uns Geschwistern. Jetzt denkt er, er müsse der Mann in der Familie sein. Er fühlt sich verantwortlich.“

Und doch, es gibt kleine Lichtblicke. Momente, in denen Seif seine Trauer und die Angst vergessen kann. Einmal in der Woche besuchen Sozialarbeiter und Therapeuten von Islamic Relief die Kinder in Ketermaya. Mit Singen, Malen, Bewegungs- und Rollenspielen helfen sie den traumatisierten Mädchen und Jungen, ihre Gefühle kennenzulernen und mit Unruhe, Angst oder unkontrollierter Wut besser umzugehen. Schritt für Schritt lernt auch Seif, sich wieder sicherer zu fühlen. Für ein paar Stunden kann auch er wieder fröhlich sein. Froh macht Seif auch die Schule.

„Ich mag Mathe sehr gerne“, sagt er, nach seinem Lieblingsfach gefragt. „Mir macht es einfach Spaß, Aufgaben zu lösen.“

Dass Seif Rechnen, Lesen und Schreiben lernen kann, verdankt er unter anderem Ahmed. Der 29-jährige Syrer aus Idlib hat einen Abschluss in Arabischer Literatur. Auch Ahmed verließ vor bald drei Jahren seine Heimat. Auch sein Haus wurde von Bomben zerstört. Zweimal wurde er verhaftet. Heute unterrichtet Ahmed die Kinder in Ketermaya.

Lernen? Das geht auch unter freiem Himmel. Mit Pappkartons unter einem Baum fing alles an. Der Landbesitzer, der sie kostenlos bei sich bleiben lässt, der die Hütten errichten ließ und für Strom und Wasser sorgte, half ihnen dann auch beim Bau der kleinen Schulhütten. Und auch wenn Lehrbücher, Stifte und Papier fehlen, hält sie das nicht ab.

„Es liegt mir am Herzen, die Kinder hier zu unterrichten“, sagt Ahmed. „Denn welche Perspektive haben sie, wenn sie nicht lesen, nicht schreiben können?“

Eins, zwei Schulstunden am Tag – viel mag das nicht sein. Kindern wie Seif bedeuten sie alles. Sie geben seinem Alltag im Lager ein wenig Normalität. Und sie lassen ihn auf eine bessere Zukunft hoffen. Seif träumt davon, eines Tages in Amerika zu leben. So viel hat er schon darüber gehört. Ingenieur möchte er werden. Autos bauen. Und mit dem eigenen Wagen über den Highway fahren. Stundenlang. Ohne Angst. In Frieden und Sicherheit.

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Ihre Lage in den Flüchtlingslagern im Libanon ist dramatisch. Ihnen fehlt es an allem: Essen, Trinkwasser, Medikamente, warme Kleidung und Öfen für den Winter. Islamic Relief versorgt die Kinder und ihre Familien mit dem Nötigsten und hilft ihnen, die erlebten Schrecken zu überwinden.

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