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Die Geschichte von Mohammed

Die Geschichte von Mohammed

Mohammed: Der Krieg hat das Glück in seinem Leben verbannt

Trifft man heute den 10-jährigen Mohammed, dann erhellt hin und wieder ein Lachen sein Gesicht. Besonders beim Fußballspielen kommt seine alte Fröhlichkeit zum Vorschein:

„Ich spiele sehr gerne Fußball mit meinem Cousin. Lange hatte ich keinen eigenen Fußball, bis mir die Mitarbeiter von Islamic Relief einen mitgebracht haben!“

Seit er mit der Unterstützung von Islamic Relief ein Sommercamp für traumatisierte Kinder besuchen konnte, kann er die schrecklichen Kriegserlebnisse, die sein gewohntes Leben zerstört haben, manchmal für einen Moment vergessen. Obwohl seitdem ein Jahr vergangen ist, fühlt es sich für ihn oft so an, als wäre der Krieg erst gestern gewesen:

„Jeden Tag denke ich an meine Mutter und meine Schwester Ghada. Als die Rakete einschlug, hielt mich meine Mutter gerade an der Hand.“

Mohammed hat sechs Familienmitglieder an diesem einen Tag verloren – seine Mutter, seine beiden Schwestern Ghada und Hala, deren Sohn Mohammed und seine Cousins Nermeen und Fidaa. Sie rannten alle um ihr Leben, als ihr Stadtteil im letzten Gaza-Krieg unter starken Beschuss geriet.

Noch heute kann es Mohammed kaum glauben:

„Als ich sie dort liegen sah, bewegungslos und blutüberströmt, konnte ich nicht glauben, dass sie alle tot waren. Ich konnte nicht wegrennen, mein Fuß war verletzt und ich blieb dort sitzen, bis sie mich ins Krankenhaus brachten.“

Dort erfuhr Mohammed, dass sie alle tot waren, auch seine Mutter und seine elfjährige Schwester Ghada. Ein schwerer Schock für den Jungen.

„Wenn dieser Krieg nicht ausgebrochen wäre, dann würden meine Mutter und Schwester noch leben und ich könnte mit Ghada spielen – so wie früher.“

Ein Leben ohne seine Mutter und Schwester war für Mohammed lange kaum vorstellbar. Er hatte ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter, bei ihr fühlte er sich geborgen. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, der starb schon vor seiner Geburt. Nicht einmal Erinnerungsstücke an seine Familie bleiben ihm, das Haus, in dem die Familie gewohnt hatte, wurde fast vollständig zerstört. Auch auf seine schulischen Leistungen haben die Kriegserlebnisse immer noch großen Einfluss. Er kann sich sehr schlecht konzentrieren, kann kaum Schreiben oder Worte buchstabieren. Fast hätte er die letzte Klasse wiederholen müssen.

„Mohammed ist sehr vergesslich geworden. Wenn ich ihn zum Einkaufen schicke, vergisst er die Hälfte. Das einzige, an das er sich sehr detailliert erinnert, ist der Tag, an dem seine Mutter und Schwester ums Leben kamen. Immer wieder erzählt er seinen Cousins, wie seine Mutter und Schwester getötet wurden“, berichtet seine Tante, bei der er jetzt lebt. „Der Krieg hat seine Kindheit mit einem Schlag ausgelöscht. Mohammed ist kein fröhliches Kind mehr, er will die meiste Zeit alleine sein, spricht kaum noch und schaut immer Fotos von seiner Mutter und seinen Schwestern an, denkt immerzu an seine verlorene Familie.“

Auch sein Verhalten hat sich verändert.

„Es ist schwer, mit ihm zurecht zu kommen. Er ist sehr sturköpfig geworden und hört nicht auf uns. Er streitet bei jeder Gelegenheit mit anderen Kindern – inzwischen versuchen wir schon, ihn von anderen fernzuhalten, um ihn zu beschützen“, berichtet seine Tante besorgt.

Um ihm zu helfen, organisierte sie in einem Zentrum für psychosoziale Unterstützung einige Therapiestunden für ihn, die auch erste Erfolge zeigten, langfristig für die Familie aber zu teuer waren.

„Das war ein großes Problem, denn Mohammed ist stark traumatisiert und braucht professionelle Hilfe, um wieder ein normales Leben führen zu können – wir selbst können ihm nicht helfen.“

Dank der Spenden von „Speisen für Waisen“ konnte Mohammed am Islamic Relief- Sommercamp für traumatisierte Kinder teilnehmen und ist seither in psychosozialer Betreuung. Er und seine Tante wünschen sich nichts mehr, als endlich das Leid hinter sich zu lassen und positiv in die Zukunft schauen zu können.

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