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Die Geschichte von Jamen

Jamen: "The Future is a big Place"

Eine alte Mortadella-Büchse, einen Nagel und eine zerbrochene Latte – viel mehr als den Müll um sich herum hat Jamen nicht zum Spielen. Not macht erfinderisch – für den Sechsjährigen ist diese Not bitterer Alltag.

„Den Nagel durch den Dosenboden, das Holz daran. Fertig ist das Laufrad.“

Auch seinem kleinen Bruder Mohammed baut er so ein Gefährt. Damit jagen die Jungs über das Gelände der alten Zwiebelfabrik, die seit zwei Jahren ihr Zuhause ist. „Onion Camp“ nennen sie diesen Ort, gottverlassen inmitten von weitem Ackerland und nur einen Steinwurf entfernt von der syrischen Grenze im Libanon. Jamens Mutter und die Großeltern flüchteten vor den Bomben, die auf ihre Heimatstadt Raqqa fielen.

„Wir sind die einzigen, die übrig sind. Zwei meiner Brüder und meine drei Schwestern wurden getötet. Auch mein Vater starb.“

Jamen spricht leise. Er schnippt Kieselsteine in die Weite. Dann sagt er gedankenverloren:

„Alle haben Angst vor den Flugzeugen.“

Gut 100 Familien aus Raqqa haben sich ringsum die verlassene Fabrik einfachste Hütten errichtet, aus Planen, Säcken, alten Werbeschildern und allem, was sie finden, borgen und erbetteln konnten. Der Landbesitzer lässt sie bleiben. Dafür schuften Frauen und Kinder für einen Hungerlohn auf seinen Feldern. 6.022 libanesische Pfund (etwa 3,60 Euro) sind es am Tag. Zum Leben reicht das kaum.

Islamic Relief ist die einzige Hilfsorganisation, die die Menschen hier regelmäßig mit dem Nötigsten versorgt. Im „Onion Camp“ geht es ums nackte Überleben.

„Wir brauchen dringend Hilfe“, sagt Jamens Großmutter Amina.

Die 60-Jährige faltet ihre Hände. Die Familie lebt in den Ruinen der Fabrik.

„Es gibt nicht einmal eine Tür. Im Winter regnet es rein.“

Amina deutet auf die Löcher in Mauerwerk und Dach.

„Wir lassen die Kinder an der Wand schlafen und legen uns vor sie, damit die Ratten sie nicht anfressen.“

Die Großmutter sorgt sich um ihre Enkel. Jamen und Mohammad haben nicht nur ihre Geschwister und den Vater verloren, auch ihre Mama vermissen sie sehr. Um die Familie zu ernähren, arbeitet sie den ganzen Tag für den Landbesitzer.

„Wann immer die Jungs die Autos hören, die die Arbeiterinnen von den Feldern zurück ins Camp bringen, laufen sie aufgeregt nach draußen“, erzählt Amina. „Immer hoffen sie, dass ihre Mama einmal früher zurückkehrt. Oft kommt sie aber erst, wenn es dunkel ist. Dann nehme ich die beiden auf den Schoß, damit sie sich beruhigen und einschlafen können.“

Fragt man Jamen nach der Schule, leuchten seine Augen. Schreiben macht ihm Spaß, auch Mathe mag er sehr. Er ist eines der wenigen Kinder im Camp, die eine Schule in der Umgebung besuchen können. Der Bus fährt unregelmäßig, und es gibt kaum Klassen für syrische Flüchtlinge. Viele Ältere werden zur Arbeit auf die Felder geschickt, denn die Familien brauchen jedes Pfund. Jamen hat Glück. Aber Glück ist relativ.

„Ich denke oft an die Schule in Syrien. Da habe ich sehr gerne gelernt. Hier bekommen wir nur manchmal richtige Aufgaben. Dann freue ich mich. Aber die meisten Kinder spielen nur. Es gibt keine Hausaufgaben“, bedauert er.

„The Future is a big Place“ hat jemand auf einen Karton hinter Jamens Haus geschrieben. Alles, was du willst, ist möglich, heißt das. Doch für Jamen hier zwischen all den Zelten, dem Schmutz und brennenden Müll, ist die Zukunft kaum mehr als ein Funken Hoffnung.

„Ich will lernen und arbeiten gehen, damit ich meine Mama gut versorgen kann. Ich möchte Tischler werden. Und ein Mann. Ein guter Mann.“

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