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Die Kinder vom Ouzai Shelter

Die Flüchtlingsunterkunft in Saida ist der Rohbau der Al Ouzai University, einer privaten islamischen Universität, die vor der Fertigstellung für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wurde. Direkt daneben befindet sich auch der Rohbau der dazugehörigen Moschee, die jetzt von den Flüchtlingen genutzt wird.

Die Unterkunft gehört zu den größten ihrer Art im Libanon. Etwa 150 Familien leben hier. Von den circa 1.000 Menschen sind gut 450 Kinder. Miete zahlen sie nicht; für Strom zahlen sie 20 Dollar im Monat.

Die Unterkunft wird zwar von der Regierung verwaltet, aber nicht unterstützt. Deshalb sind die Menschen auf die Hilfe von UNHCR und anderen Hilfsorganisationen angewiesen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs im Oktober hatte das UNHCR die Hilfe gerade gestoppt. Warum und vor allem wie lange, wissen die Bewohner nicht. Islamic Relief aber hilft zum großen Glück der Bewohner mit Nahrungsmitteln, Matratzen, Kissen, Kleidung und Heizgeräten und bietet Awareness-Aktivitäten an.

In dem heruntergekommenen Bau sind vor allem die hygienischen Bedingungen ein großes Problem. Menschen leben Tür an Tür. Die meisten Familien bewohnen einen Raum. 35 Familien sind es pro Etage bzw. Gang. Sie alle teilen sich ein Bad oder eine Toilette. Auch wenn sie ihr Bestes geben, ihre Wohnräume und auch die Gänge sauber zu halten – hinter dem Haus türmt sich der Müll, in einigen Gängen riecht es nach Urin. Das Wasser ist verschmutzt. Auf den Balkonen stapeln sich Matratzen, Teppiche und Kissen. Wäscheleinen durchziehen die dunklen Gänge. Hier spielen Kinder, putzen Frauen, vertreiben Männer sich rauchend die Langeweile. Im Sommer ist es heiß, im Winter bitterkalt. Dann pfeift der Wind kalt durchs unverputzte Treppenhaus und zieht durch alle Ritzen. Nässe kriecht die Wände hoch.

Die Räume sind meist karg. Bastmatten als Teppich, einfache Matratzen als Bett. An den Wänden vereinzelt Vorhänge, um den unverputzten Stein zu verdecken. Nägel und Bretter dienen als Regal oder Schrank. Das Zusammenleben ist von Aggression und teilweise auch von Gewalt geprägt. Sanaa El-Bezri, die sich mit ihrer Organisation „Blue Mission“, einem lokalen Partner von Islamic Relief, um die Menschen kümmert, berichtet von Gewalt gegenüber Kindern und auch von Missbrauch im Keller des Hauses. Die Regierung sei informiert, doch tue nichts dagegen. Auch die Kinder gehen miteinander teilweise aggressiv um.

Beton und Stein, so weit das Auge reicht: Auf dem Betonplatz vor dem Haus spielen sie Fußball und Fangen, sie laufen um die Wette und jagen sich mit Spielzeugpistolen. Der Spielplatz neben dem Haus ist gefährlich. Hier schütten die Kinder im Sommer Wasser auf den harten, glatten Boden und schlittern barfuß darüber. Nicht selten rutschen sie aus und knallen mit Knie oder Ellenbogen auf. Einige Mädchen berichten, dass auch das Klettern auf den Spielgerüsten gefährlich sein kann und sich schon oft Kinder beim Spielen verletzt haben.

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