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Die Kinder vom ibn Affan Camp

Das Eckhaus in der Stadt Cheheen mitten im Libanon-Gebirge war einmal eine Schule. Mit Beginn des Syrienkriegs wurde es als Transit-Station für Flüchtlinge genutzt. Das Haus gehört einer Organisation namens Sundook Al Zakah. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Moschee, die dem Haus den Namen gibt.

Mohammed Akum ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Organisation, die sich der Waisen und ihrer Familien in der gesamten Region annimmt und sie mit dem Nötigsten versorgt. 

In der alten Schule leben erst seit knapp einem Monat dauerhaft 25 Familien, etwa 150 Personen, davon 60 Kinder. Darunter sind vier offizielle Waisenkinder, aber weit mehr Kinder ohne eine Nachricht vom Vater oder offizielle Papiere, die dessen Tod beurkunden.

Die Familien mussten ihr Camp in der Nähe verlassen, weil Bäume und Insekten Allergien und Augeninfektionen vor allem bei den Kindern verursachten. Auch Krätze und Läuse waren ein Problem. Heute leben sie im Keller und Erdgeschoss der Schule. Ein Raum pro Familie, ein Bad pro Etage. Miete, Heizung und Strom sind kostenlos. Auch mit Brot sind die Familien versorgt. Das sichert ihr Überleben.

Zwar ist die neue Unterkunft besser als das alte Camp, aber weit weg von allem. Viele der Witwen, die zuvor auf den Feldern arbeiten konnten, verdienen momentan kein Geld und sind auf die Verteilung von Nahrungsmitteln angewiesen. Auch für die Kinder, die bislang eine öffentliche Schule dicht beim Camp besuchten, ist der Weg zur Schule jetzt zu weit. Das Geld für den Schulbus haben die wenigsten.

Vor allem im Keller sind die hygienischen Bedingungen schlecht. Die Räume sind dunkel, stickig und voller Mücken. Ein riesiger Generator läuft Tag und Nacht. Es ist laut und riecht nach Benzin und Abgasen.

Für die Kinder gibt es kaum einen Ort zum Spielen: eine überdachte Betonfläche vor der Unterkunft, ein steiler Abhang, eine Treppe. Das unbebaute Nachbargrundstück wird als Müllkippe genutzt. Hier kokeln und spielen die Kinder zwischen Scherben und Müll.

Islamic Relief sorgt für sauberes Wasser, elektrische Heizgeräte, Decken, Matratzen und regelmäßige Nahrungsmittel. Darüber hinaus hat Islamic Relief einen gesonderten Raum für psychosoziale Aktivitäten eingerichtet. Jedes Wochenende kommen drei Mitarbeiter für vier Stunden, um mit den Kindern zu arbeiten. Dieses Projekt ist jetzt aber nach 18 Monaten ausgelaufen.

„Gebt uns nicht nur Essen, gebt uns die Möglichkeit Geld zu verdienen und selbst für unser Leben zu sorgen.“

Das, so erzählt Mohammed Akum, wünschen sich die Menschen hier am meisten.

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