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Die Kinder vom Al-Mokhtar Camp

30 Prozent aller syrischen Flüchtlinge im Libanon leben in der Bekaa-Ebene. Die meisten unter schlechten Bedingungen in einfachen Zeltlagern, die überall zwischen Feldern und an Straßenrändern zu finden sind. Die syrische Grenze ist nicht weit entfernt, sie liegt direkt hinter dem Gebirge am Horizont. So ist die Heimat immer präsent. 

Eines dieser Flüchtlingslager ist das Mokhtar Camp. Es liegt irgendwo im Nirgendwo in der Nähe der Kleinstadt Anjar auf einem freien Feld direkt neben der Autobahn, die eigentlich von Beirut nach Damaskus führt. Asphalt und Kies überall, ein paar Pfeiler liegen auf dem Boden. Sie dienen den Kindern des Camps als Versteck und Spielplatz. Hier nehmen sie Deckung, um mit ihren Spielzeugpistolen ihren Freunden aufzulauern.

Im Mokhtar Camp leben etwa 200 Menschen, davon 120 Kinder. Insgesamt sind es 25 Zelte, zwei Familien pro Zelt. Pro Zelt zahlen die Flüchtlinge dem Landbesitzer 100 Dollar Miete im Monat. Dazu kommt Geld für Strom und Wasser.

Das Material für den Bau der Zelte haben sie vom UNHCR erhalten; errichtet haben sie die Behausungen selbst. Nur der Boden ist betoniert. Denn wie überall im Libanon dürfen sie keine festen Behausungen bauen, damit sie nicht sesshaft werden.

Der Vorsteher des Camps ist Zakri Ali, 1966 in Aleppo geboren. Schon dort war er Ortsvorsteher (= Mokhtar) eines Stadtteils. Er ist verheiratet und hat sieben Töchter und vier Söhne. Seine Familie ist seit 2011 im Libanon. Er flüchtete von Aleppo über Rakka und Homs. Lief dann zu Fuß über die Berge, aus Angst, im Bus festgehalten zu werden. Einer seine Söhne ist Mohamed. Der Zehnjährige und hat bereits graue Haare. Eine Reaktion auf den Stress, den er durch Krieg und Flucht erlebte, sagt der Vater.

Die meisten Männer arbeiten als Tagelöhner auf dem Bau. 12 Dollar am Tag verdienen sie, manchmal mehr. Frauen arbeiten auf den Feldern; sie bekommen weniger Geld. Auch Kinder müssen arbeiten.

Das Camp ist fast wie ein kleines Dorf: gepflegt und friedlich. Die Wege sind geputzt, hier und da haben sich die Familie kleine Beete angelegt. Tomaten wachsen hier, Kräuter und Gewürze. Auf den Dächern der Zelte trocknen Turnschuhe und Matratzen in der Sonne. Die Kinder laufen barfuß über die spitzen Kieselsteine. Die Steine sorgen dafür, dass das Camp im Winter nicht im Matsch versinkt.

Islamic Relief versorgt die Menschen mit dem Nötigsten, u.a. mit Nahrungsmitteln, im letzten Winter mit Öfen und Heizöl. Vor allem aber leistet IR wichtige psychosoziale Hilfe für die Kinder. Ein eigenes Zelt für die psychosozialen Aktivitäten ist der Mittelpunkt des Camps geworden. Es dient als “child friendly space“.

Hier können die Kinder spielen und Ruhe finden. Unter Anleitung können sie beim Spielen, Malen oder Musizieren ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten. Durch eigene Theaterstücke lernen sie ihre Rechte kennen, in Pfadfindergruppen eignen sie sich soziale Kompetenzen an, zum Beispiel sich ohne Gewalt auseinanderzusetzen, aufeinander Acht zu geben und einander zu vertrauen.

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